Was steckt hinter den jüngsten Presseberichten über Kapitalverluste von Versorgungswerken? Hierbei ist zu unterscheiden zwischen dem gesondert zu betrachtenden Fall des Versorgungswerks der Zahnär

19. Dezember 2025

Rudolf Henke, Vorsitzender des Vorstandes

 

Hierbei ist zu unterscheiden zwischen dem gesondert zu betrachtenden Fall des Versorgungswerks der Zahnärztekammer Berlin (VZB) und den anderen 90 Versorgungswerken der Freien Berufe. Beim VZB steht eine endgültige Klärung der Vorgänge immer noch aus. Nur so viel lässt sich bereits sagen: Die dort verfolgte Anlagepolitik ist in der berufsständischen Versorgung äußerst ungewöhnlich und sehr untypisch. Aus dem Fall des VZB lassen sich daher kaum Folgerungen für die anderen Versorgungswerke ableiten. Für diese ist vielmehr die Frage zu beantworten, ob die kapitalgedeckte Finanzierung, insbesondere in einem Niedrigzinsumfeld, strukturelle Risiken birgt, die es in einer puren Umlagefinanzierung nicht gäbe.

 

So wurde in vielen Artikeln eine zu risikogeneigte Kapitalanlage infolge der langen Niedrigzinsphase als Ursache für Kapitalverluste angenommen. Diese Sichtweise ist jedoch stark verkürzt. Tatsächlich haben einige Versorgungswerke zum Teil deutliche Verluste verzeichnet, vor allem im Immobilienbereich. Hauptursache sind jedoch die seit 2022 sprunghaft gestiegenen Zinsen. Kredite verteuerten sich, Baukosten zogen an, während zugleich die Nachfrage nach Büroflächen während der Pandemie deutlich zurückging. In der Folge gerieten auch etliche seriöse Immobilienentwickler in Schwierigkeiten – bis hin zur Insolvenz. Institutionelle Anleger, darunter auch Versorgungswerke, die sich direkt oder indirekt an der Finanzierung solcher Projekte beteiligt hatten, mussten entsprechende Abschreibungen vornehmen.

 

Es ist nachvollziehbar, dass sich Journalisten und manche Mitglieder fragen, warum wir überhaupt in risikobehaftete Anlagen investieren. Die einfache Antwort: Von nichts kommt nichts. In der institutionellen Kapitalanlage geht es in erster Linie darum, Ertragsmöglichkeiten und Risiken sorgfältig auszubalancieren. Ohne chancenorientierte Anlagen gäbe es keine dauerhaften Renditen oberhalb des notwendigen Rechnungszinses. Entscheidend ist, dass Risiken begrenzt und beherrschbar bleiben – und genau das stellen die Versorgungswerke der Freien Berufe sicher. Das ist keine Hexerei, sondern basiert auf einem realistischen Verständnis der Kapitalmarktrisiken und einem rationalen Umgang damit. Was dies bedeutet, zeigt anschaulich ein aktueller Beitrag aus der Sendung „50k“ des Hessischen Rundfunks, auf den wir am Ende dieses Kommentars mit einem Link hinweisenIn dieser Beziehung sind Skandinavier oder Niederländer, die einen Großteil ihrer Altersvorsorge auf kapitalgedeckten Säulen abstützen, sehr viel weiter als wir Deutsche.

 

In der berufsständischen Versorgung investieren wir daher nach klaren Grundsätzen:

 

Wir streuen breit über verschiedene Anlageklassen.

Risikobehafteten Anlagen mit höheren Chancen stehen in einem vernünftigen Verhältnis zu festverzinslichen Investments. Unser Handeln orientiert sich an den Vorgaben der Anlageverordnung für Pensionskassen, Sterbekassen und kleinen Versicherungsunternehmen. Die Kapitalanlage wird durch erfahrene Fachleute betreut und Einzelinvestments und Anlagestrategien durch externe Experten vorbereitet. Die Selbstverwaltung verantwortet zwar am Ende die Anlageentscheidung, doch keineswegs ist es so, dass, wie nicht selten unterstellt, ausschließlich fachfremde Ärzte, Apotheker oder Architekten Milliardenvermögen steuerten. Viele Satzungen sehen die Beteiligung von erfahrenen Kapitalanlegern, Juristen und Versicherungsmathematikern vor. Zusätzlich benötigen auch die Berufsangehörigen in den Gremien Sachkundenachweise, die sie etwa in der ABV-Akademie erwerben können. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung hat der Vorstand ein ABV-Prädikat vorgestellt, das Versorgungswerke in Zukunft bei Beachtung bestimmter an Anlagesicherheit und Risikokontrolle orientierter Kriterien erwerben können.

 

Die Versorgungswerke „zocken“ nicht. Wir investieren vorausschauend und mit Augenmaß, um den langfristigen Wert des Vermögens der Mitglieder zu sichern. Der Erfolg aus mehr als hundert Jahren gibt uns recht: Wir erwirtschaften unsere Leistungen aus eigener Kraft – ohne staatliche Zuschüsse. Die Ausgangsverrentung für unsere Mitglieder liegt weiterhin über dem Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung. Hinzu kommen besondere Leistungen, etwa die Berufsunfähigkeitsabsicherung ab dem ersten Monat der Mitgliedschaft – ohne Gesundheitsprüfung und ohne das Risiko, bei eingetretener Berufsunfähigkeit ggf. einem fachfremden Beruf nachgehen zu müssen.

 

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https://www.ardmediathek.de/video/50k-das-ard-finanzformat/folge-15-du-verstehst-risiko-falsch-warum-schweden-sogar-die-rente-hebelt/hr-fernsehen/MzhlMWM0MmUtMmM1ZC00MmFhLWEyOWEtNWRmN2Y3MzhkNjI0