Henke: Den ABV-Kerngedanken im Wandel der Gesellschaft lebendig halten

 

Der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV) hat die Versorgungswerke der Freien Berufe in einem eindringlichen Appell an ihren Kernauftrag erinnert. Nach seiner Wahl im Rahmen der 43. Mitgliederversammlung der ABV leitete der Aachener Arzt und CDU-Bundestagsabgeordnete diesen direkt aus der gesellschaftlichen Funktion der Freien Berufe ab.

 

Deren berufliches Handeln, so Henke, basiere auf dem Vertrauen ihrer Patienten, Mandanten und Auftraggeber. Ausschlaggebend für dieses Vertrauen in die Freien Berufe sei die Verlässlichkeit, nicht einem dominanten Profitstreben zu folgen. Freie Berufe zeichneten sich vielmehr durch ihre zentrale Gemeinwohlorientierung aus. Ziel sei es nicht, Millionär zu werden, sondern den wohlverstandenen Interessen der Menschen und der Gesellschaft zu dienen. Dazu gehörten allerdings auch faire Honorare und eine Altersabsicherung, die die Unabhängigkeit der Freien Berufe auch in der Ruhestandsphase sichere. Kein Freiberufler solle im Alter gezwungen sein, seinen Beruf zur Bestreitung des Lebensunterhaltes weiter auszuüben, selbst wenn er dazu nicht mehr in der Lage sei.

 

Ein Wort seines Vorgängers, Rechtsanwalt Hartmut Kilger, aufgreifend, fragte Henke, ob die freien Berufe mit dieser Grundorientierung in der heutigen Gesellschaft Exoten seien. Dies sei jedoch nur insoweit der Fall, als die Glieder der Gesellschaft einander heute fremder, für einander exotischer erschienen als früher. Es koste heute wesentlich mehr Aufwand, den Kitt des gesellschaftlichen Zusammenhalts herzustellen, da die Gesellschaft diverser und ihre Positionen und Sichtweisen schwerer zu integrieren seien.

 

Es sei daher Aufgabe und Herausforderung für die ABV, die Kernidee der berufsständischen Versorgung, die Altersabsicherung der Freien Berufe zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen und damit fachlichen Unabhängigkeit im Interesse ihrer Mandanten/Patienten, in die stärker zersplitterten gesellschaftlichen Diskurse einzuspeisen. Es gebe jedoch gute Voraussetzungen, den Nachweis zu führen, dass die Gesellschaft von unabhängigen und wirtschaftlich abgesicherten freien Berufen profitiere. Dazu müsse man über die Bedeutung der den Berufen gestellten Aufgaben und den Wert der in den Berufen geleisteten Arbeit sprechen.

 

Das von der ABV verfolgte Ziel bleibe es, dass die Angehörigen der freien Berufe im Alter nicht gezwungen würden, hauptsächlich auf sich zu schauen, sondern wenn sie in ihrer Berufsausübung stets das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellen könnten. Henke forderte die ABV auf, sich unermüdlich anzustrengen, um diese Kernidee anschlussfähig in die vielen unterschiedlichen Konstellationen und Kontexte des gesellschaftlichen Diskurses zu vermitteln und ihre Bedeutung für das Gemeinwohl zu unterstreichen.